Design Science (Designwissenschaft) ist ein problemlösungsorientierter Ansatz, der seinen Ursprung in den Ingenieursdisziplinen hat. Dabei werden innovative Ideen, Praktiken, technische Fähigkeiten und Produkte (Design Artefakte) erzeugt, welche die Analyse, das Design, die Implementierung, das Management und die Nutzung von Informationssystemen effektiver und effizienter gestalten. Die Erzeugung dieser Design Artefakte unterliegt existierenden Kerntheorien, die anhand der Kreativität, Erfahrung, Intuition und Problemlösungsfähigkeit des Forschers angewendet, getestet, modifiziert und erweitert werden. (Hevner 2004)

Kurz: Design Science ist eine Methode, welche es ermöglicht auf Basis von wissenschaftlichen und praktischen Kriterien eine Artefakt zu erstellen.

Hevner (2007) unterteilt Design Science mit den drei "Cyclen" (Kreisen).

Der wissenschaftlichen (Rigor) Zyklus, welcher das Wissen von der Theorie herleitet, wird mit dem praktischen (Relevance) Zyklus, welcher den Stand der Technik einbezieht, verknüpft. Die Verknüpfung von Theorie und Praxis leitet ein Artefakt ab. Das Artefakt wird iterativ von Erkenntnissen aus Theorie und Praxis verbessert. Die Verbesserung des Artefakts liefert einen Beitrag zu wissenschaftlichen und praktischen Erkenntnissen.  

Ziel

Ziel des Design Science ist es, Design Artefakte zu kreieren und zu evaluieren, um organisatorische Probleme zu lösen. Artefakte können in Form von mathematischen Modellen, Software oder auch informalen Beschreibungen dargestellt werden. Sie werden in vier Kategorien unterteilt: Konstrukte, Modelle, Methoden und Instanziierungen.

Durchführung

Design Science besteht aus zwei Prozessen: „Build“ (Erzeugen) und „Evaluate“ (Evaluieren). Innerhalb des „Build“-Prozesses werden Aktivitäten durchgeführt, die das Design Artefakt produzieren. Der nachfolgende „Evaluate“-Prozess bewertet das Design Artefakt und gibt Feedback Informationen dazu, wodurch ein besseres Verständnis des Problems entsteht. Damit kann die Qualität des Design Prozesses und des Design Artefakts verbessert werden. Diese „Build-and-Evaluate Schleife“ wird mehrmals wiederholt bis das finale Design Artefakt erzeug wird. 

Während der Prozesse sollen die folgenden Richtlinien beachtet werden. Die Richtlinie „Design als zielgerichtetes Artefakt“ bestimmt, dass ein realisierbares Artefakt in Form eines Konstrukts, Modells, einer Methode oder einer Instanziierung erzeugt werden soll. Die „Problemrelevanz“ verpflichtet zur Entwicklung einer technologiebasierten Lösung für wichtige und relevante betriebswirtschaftliche Probleme. Die Vorgaben zur „Evaluierung“ verpflichten zur Nutzung von Evaluations-Methoden, um die Nutzbarkeit, Qualität und Wirksamkeit des Artefakts zu zeigen. Der „Beitrag zur Forschung“ soll damit erreicht werden, indem die Design Science Forschung klare und verifizierbare Beiträge zu den Bereichen Design Artefakt, Design Grundlagen und/oder Design Methoden leistet. Die „Methodische Stringenz in den Forschungsmethoden“ gibt vor, dass die Design Science Forschung auf der Anwendung strikter Methoden in der Konstruktion und Evaluation des Design Artefakts basiert. Die Richtlinie „Design als Suchprozess“ bestimmt, dass für eine Suche nach einem effektiven Artefakt es der Nutzung aller verfügbaren Mittel bedarf, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Dabei müssen gleichzeitig die Gesetze in der Problem-Umgebung berücksichtigt werden. Die „Weitergabe von Forschungsergebnissen“ soll bei der Design Science Forschung an technologie- und managementorientierte Adressaten erfolgen.

Hevner (2007, S. 87) beschreibt die drei Kreise wie folgt:

"The Relevance Cycle inputs requirements from the contextual environment into the research and introduces the research artifacts into environmental field testing.

The Rigor Cycle provides grounding theories and methods along with domain experience and expertise from the foundations knowledge base into the research and adds the new knowledge generated by the research to the growing knowledge base.

The central Design Cycle supports a tighter loop of research activity for the construction and evaluation of design artifacts and processes."

Kernliteratur:

  • Hevner, A.R.; March, S.T.; Park, J.; Ram, S. (2004): Design Science in Information Systems Research. In: MIS Quarterly, Vol. 28 (2004) No. 1, pp. 75-105.
  • Hevner, A.R. (2007): A Three Cycle View of Design Science Research. In: Scandinavian Journal of Information Systems, Vol. 19 (2007) No. 2, pp. 87-92.

Weiterführende Literatur:

  • Gregor, S.; Hevner, A.R. (2013): Positioning and Presenting Design Science Research for Maximum Impact. In: MIS Quarterly, Vol. 37 (2013) No. 2, pp. 337-356.
  • Peffers, K.; Tuunanen, T.; Rothenberger, M.A.; Chatterjee, S. (2007): A Design Science Research Methodology for Information Systems Research. In: Journal of Management Information Systems, Vol. 24 (2007) No. 3, pp. 45-77.
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