Eine Fallstudie dient i. d. R. dem Zweck theoretische Erkenntnisse anhand eines konkreten Falls zu überprüfen oder neue zu erlangen. Ein konkreter Fall wird auch als Fallbeispiel bezeichnet.

Fallstudien können grundsätzlich explorative, deskriptive und/oder explanative Fragestellungen beantworten. Die Stärken einer Fallstudie liegen im Vergleich zu quantitativen Erhebungen in der umfassenderen Abbildung der sozialen Wirklichkeit und der Erfassung von Phänomenen im Kontext. Dies erlaubt es, Entwicklungen, Prozessabläufe und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge nach zu-vollziehen und praktisch relevante, datenbasierte Aussagen zu treffen.

Fallstudien können in zwei Kategorien eingeteilt werden: die Einzelfallstudie und die vergleichende Fallstudie. Die Einzelfallstudie untersucht einen bestimmten Fall. Dabei werden kritische, extreme, einzigartige, repräsentative, typische oder bisher nicht zugängliche Fälle, sowie solche, die über einen längeren Zeitraum beobachtet werden betrachtet. Die vergleichende Fallstudie untersucht mehrere Fälle und vergleicht diese miteinander. Der Vorteil liegt darin, dass gewonnene Erkenntnisse durch Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Fällen kritisch betrachtet werden können. Dadurch werden die Ergebnisse überzeugender, vertrauenswürdiger und robuster. Allerdings geht auch ein höherer Aufwand einher.

Im Gegensatz zu quantitativen Methoden erlauben Fallstudien keinen statistischen Induktionsschluss auf eine Grundgesamtheit.

Ziel

Fallstudien werden in neuen oder besonders komplexen Forschungsfeldern eingesetzt, um ein besseres Lagebild zu erarbeiten, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen, zu abstrahieren und vermeintlich Neues auf Bekanntes zurückzuführen. Aber auch bei fortgeschrittenem Forschungsstand können Fallstudien neue Perspektiven auf das Forschungsgebiet geben und damit Impulse für die weitere Forschung liefern. Auch bei einer quantitativen Forschung bieten sich Fallstudien an, zum Beispiel, wenn Cluster oder interessante Ausreißer identifiziert wurden, die näher betrachtet werden sollen oder zur Unterstützung beim Generieren von Hypothesen und Validieren von Konstrukten. 

Ziel der Fallstudie ist es, theoretische Erkenntnisse in Bezug auf bislang unerforschte Phänomene zu gewinnen.

Durchführung

Innerhalb des Planungsprozesses wird das Forschungsprotokoll entwickelt und niedergeschrieben, worin der weitere Fortgang der Untersuchung definiert wird. Es enthält die folgenden Aspekte.

Die Problemstellung definiert den zu untersuchenden Sachverhalt. Innerhalb der Zielsetzung der Analyse wird festgelegt ob die Betrachtung Hypothesen aufstellt, oder testet und davon ausgehend das theoriegeleitete Vorgehen anhand relevanter Literatur ausgewählt. Die Definition und Auswahl der Fälle bestimmt, ob eine Einzelfallstudie oder eine vergleichende Fallstudie durchgeführt wird. Die Fälle können beliebig gewählt werden, müssen aber in Zusammenhang mit dem Forschungsziel stehen und die Auswahl muss begründet werden. Es ist kein Zufallsprinzip nötig wie bei der quantitativen Forschung. Bei der Auswahl der Datenerhebungsmethoden werden diese in Bezug zum vorliegenden Fall gesetzt und entsprechend gewählt. Innerhalb der vergleichenden Fallstudie wird dabei eine Replikationslogik angewandt. Es werden weitere Fälle so ausgewählt, dass sie den Rahmenbedingungen des oder der ersten analysierten Fälle entsprechen, sodass sie voraussichtlich die bisherigen Erkenntnisse bestätigen (laterale Replikation). Alternativ können Fälle selektiert werden, bei denen anderslautende Resultate erzielt werden, die aber theorieseitig vorhersagbar sind (theoretische Replikation). Am Ende des Planungsprozesses wird eine exemplarische Studie (Pilot Case) durchgeführt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fließen in das Forschungsprotokoll ein.

Nach dem Planungsprozess erfolgt die Datenerhebung. Es existieren die folgenden Datenerhebungsmethoden: die Befragung, die Beobachtung und die Inhaltsanalyse. Alle erhobenen Daten werden in einer Datenbank abgelegt.

Anschließend werden die Daten analysiert. Diese Analyse gestaltet sich komplex, da kein generelles Vorgehen existiert. Ausgangspunkt ist die Sortierung und Strukturierung des Datenmaterials, für die anschließende Auswertung stehen mehrere Analysetechniken zur Verfügung. Daraus resultieren Fallstudienreporte, die im Rahmen der kommunikativen Validierung den Probanden zur Überprüfung der inhaltlichen Richtigkeit zur Durchsicht zugeschickt werden, um inhaltliche Fehler zu vermeiden.

Abschließend werden die einzelnen Fälle interpretiert sowie eine Fallvergleichende Interpretation im Rahmen der vergleichenden Fallstudie durchgeführt.

Kernliteratur:

  • Yin, R.K. (2014): Case Study Research: Design and Methods. (5th ed.), Sage Publications, Los Angeles [u.a.] 2014.
  • Borchardt, A.; Göthlich, S.E. (2009): Erkenntnisgewinnung durch Fallstudien. In Albers, S.; Klapper, D.; Konradt, U.; Walter, A.; Wolf, J. (Eds), Methodik der empirischen Forschung (pp.33-48). Wiesbaden: Gabler.
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