Die Fragebogenerstellung ist im ersten Moment leicht. Ist es auch solange einige grundlegende Kriterien beachtet werden.

Die Kriterien lassen sich mit W-Fragen gut beantworten.

  • Was soll erhoben werden?
  • Wie viel muss erhoben werden?
  • Wann soll es erhoben werden?
  • Wer soll an meiner Umfrage teilnehmen?

Kurz: Inhalt, Umfang, Ablauf und Zielgruppe.

Inhalt

Der Inhalt folgt dem Ziel oder dem Zweck des Umfragebogens. Ziel kann es beispielsweise sein, die Attraktivität von einem Produkt mit einem anderen Produkt zu vergleichen. Ein sehr bekannter Fragebogen ist der AttrakDiff oder dessen Nachfolger der AttrakDiff2.

Das klingt so einfach. In diesem Fall ist es das auch. Ein konkreter Anwendungsfall für den bereits ein Fragebogen existiert. Einen Fragebogen für etwas Bestimmtes zu adaptieren ist nur das Austauschen eines Wortes in den Fragen. Die Fragen sind bereits validiert und somit fällt die Evaluierung als Erhebungsinstrument weg.

Es sei jedoch davor gewarnt blindlings Fragen zu übernehmen. Jede Frage sollte einen Zweck erfüllen. Sinnlose Fragen verwirren den Antwortgeber. Im schlimmsten Fall bricht der Befragte den Fragebogen ab oder es wird blindlings angekreuzt, sodass die Antworten nicht zu gebrauchen sind.

Es gibt jedoch noch zwei weitere Möglichkeiten zum Fragebogen zu kommen. Aus der Fachliteratur ableiten – meist mit einer Literaturrecherche verbunden und eine Expertendiskussion.

Ableitung aus der Literatur

Es wird in der Literatur nach offenen Themen gesucht, um gleiche oder auch verwandte Themengebiete zu finden. Es finden sich genauso theoretische Zusammenhänge. Oder auch theoretische Beiträge, welche der Benutzung in der Praxis widersprechen.

Expertendiskussion

Die Expertendiskussion ist aufwendiger. Zunächst müssen Experten identifiziert werden. Das kann der Betreuer in der Arbeit sein. Ein Experte ist jedoch sehr wenig um valide Aussagen treffen zu können. Ziel ist es im Rahmen mit mehreren Experten eine für das Ziel des Umfragebogens sinnvolles Themengebiet abzustecken. Somit sind im Vorfeld einige Themen und Aussagen zu formulieren, um in der Diskussion vorbereitet zu sein und die Diskussion lenken zu können.

Grundsätzlich gilt nur die Fragen stellen, welche zur Zielführung notwendig sind. Notwendig dahingehend, dass je länger ein Fragebogen desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Teilnehmer die Befragung abbricht. Ein altes chinesisches Sprichwort besagt: "Alles wichtige passt auf einen Fingerhut."

Umfang

Der Umfang ist abhängig vom Ziel des Umfragebogens. Ich empfehle den Fragebogen nicht länger, als 15 Minuten zu gestalten. Ab 30 Minuten sinkt nach meiner Erfahrung die Teilnahmebereitschaft deutlich. Es erfordert somit Anreize, um Teilnehmer länger an die Fragebeantwortung zu binden.

Hinweis: Lieber kürzer als länger. In der Kürze liegt die Würze.

Ablauf

Der Ablauf wird maßgeblich von der Zeit beeinflusst. Bei der Zeit ist aber nicht nur auf die Dauer des Umfragebogens abzuzielen, sondern auch auf die Zeit, wann die Testgruppe zur Verfügung steht. Studierende in den Semesterferien zu finden könnte problematisch werden. Gleiches gilt für Lehrer in den Ferien. Verständlicher Weiser sind diese Personengruppen gedanklich bei Ihren Kindern oder in der Lernphase.

Ferner ist beim Ablauf die Art und Weise zu berücksichtigen. Besonders schnell mag es online gehen. Allerdings ist nicht immer klar, ob auch die Person, welche angeschrieben wurde, auch antwortet. Beispielsweise beim Aufruf über Facebook. Bei eine alternativen Umfrage per Post sind die Zeiten der Postzustellung zu berücksichtigen.

Zielgruppe

Die Zielgruppe/der Teilnehmerkreis sollte konsequenterweise aus Personen bestehen, welche Auskunft über den Inhalt geben können. Studierende zu dem Inhalt von strategischen Geschäftsentscheidungen zu befragen könnte sicherlich interessant werden. Geeigneter scheinen jedoch Personen, welche in dem Umfeld tätig sind, um dessen Erfahrungen mit einfließen zu lassen. Es bieten sich hier CIOs an.

Es sollte beachtet werden: Je höher Personen im Unternehmen angesiedelt sind, desto schwieriger ist es diese für die Umfrage zu gewinnen.

Fragenerstellung

Stehen die wichtigsten Kriterien fest geht es an die Fragenerstellung. Es werden grundlegend zwei Frage Typen unterschieden geschlossene und offene Fragen.

Offene Fragen

Bei offenen Fragen kann der Teilnehmer frei antworten, d. h. die Antwortmöglichkeiten sind nicht vorgegeben. Eine Auswertung erfolgt mit einer Codierung, um Ähnlichkeiten oder Unterschiede herauszuarbeiten.

Geschlossene Fragen

Bei geschlossenen Fragen sind die Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Die Antwortmöglichkeiten geben an bereits vor, wie die spätere Aussagekraft ist. Die Aussagekraft richtet sich nach dem Skalenniveau. Es werden vier Arten unterschieden: nominal, ordinal, intervall und rational.

Nominale Antworten ermöglichen Aussagen zu treffen über Gleichheit oder Verschiedenheit wie beim Geschlecht (Mann != Frau, Frau = Frau, Mann = Mann).

Ordinal ermöglicht zusätzlich Aussagen über kleiner oder größer zu treffen. Beispiel Einschätzung über eine Likert-Skala von Sehr schlecht = 1 bis Sehr gut = 5 (→ 1<2<3<4<5). Hinweis: Sehr gut ist nicht fünfmal besser als sehr schlecht. Zwischen den Werten selbst existieren keine Distanzen.

Die Intervallskala ermöglicht zusätzlich zur Ordnialskala den Vergleich von Differenzen. Beispiel Temperaturen: Differenz zwischen 20 °C und 15 °C ist gleich der Differenz zwischen 10 °C und 5 °C. Hinweis: 20 °C ist nicht doppelt so warm wie 10 °C. Ein Vergleich von Verhältnissen ist somit nicht möglich.

Rationale Antworten ermöglichen erst den Vergleich von Verhältnissen. Beispiel Einkommen: 4000 € ist halb soviel wie 8000 €. Eine solche Skala hat einen natürlichen Nullpunkt.

Die abzufragenden Skalen sollten immer ausgeglichen sein. Beispiel: Anstelle von neutral bis stimme zu besser in beide Richtungen von stimme nicht zu bis stimme zu.

Hinweise zur Formulierung von Fragen

Wie formuliere ich eine Frage?

  • Die Fragen sollten einfach gehalten werden, d. h. Schaltelsätze sind zu vermeiden und verwirren den Teilnehmer. Die Aussage hinter einer Frage sollte daher klar und eindeutig sein.
  • Eindeutig heißt: Eine Frage eine Antwort. Die Fragen enthalten somit kein UND sowie kein ODER. Beispielsweise Wie hoch ist ihr Bruttoeinkommen und sind sie damit zu frieden? Hier besser zwei Fragen erstellen.
  • Die Sprache der Zielgruppe ist zu verwenden. Im Zweifel eine Verständnisfrage einbauen wie: Did you had any language difficulties?, If yes, which?
  • Die gestellte Frage bestimmt die gewählte Methode (Wie – Prozess, Was – konkreter Effekt).

Zu jeder Frage wird eine These und Antithese formuliert. Jede Frage hat ein konkretes Ziel. Jede Frage ist Zweck erfüllend und kann im Zweifel nach der Notwendigkeit begründet werden. Hier ist auf den Datenschutz zu achten. Grundsätzlich je persönlicher die Fragestellungen sind, desto weniger sind Teilnehmer gewillt diese zu beantworten und desto wichtiger wird der Schutz der Daten.

Bevor der Fragebogen auf die Welt losgelassen wird, sollte ein Pretest durch geführt werden. Der Pretest dient mehreren Zwecken. Er zeigt ob Fragen verständlich sind, wie lange der Fragebogen dauert, ob die Daten im verwendeten Tool überhaupt diejenigen sind, welche ausgewertet werden sollen und ob die Teilnehmer überhaupt bereit sind den Umfragebogen auszufüllen. Ist die Rücklaufquote bereits beim Pretest sehr gering, so sollte der Fragebogen nachgebessert werden oder die Anreize zur Teilnahme verstärkt werden.

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