Allgemeine Ratschläge zur Literaturrecherche

Es gibt viele Arten und Weisen eine Literaturrecherche durchzuführen. Entscheidend bei der Recherche selbst ist das systematische Vorgehen.

Das Ergebnis einer Literaturrecherche ist den Stand der Forschung und/oder Technik zu erfassen, um so zwei Erkenntnisse zu gewinnen:

  • der Überblick über das Themengebiet und
  • das Auffinden von einer oder mehreren „Lücken“ im Themengebiet.

Bei der Durchführung einer Literaturrecherche ist die Nachvollziehbarkeit zu beachten. Das bedeutet nicht nur die Quellen zu nennen, sondern auch die Vorgehensweise genauestens zu beschreiben. Hilfreich ist es sich beim Aufschreiben klar zu werden, kann eine Person, die noch nie etwas mit der Arbeit zu tun hatte, mit der Beschreibung die Literaturrecherche durchführen und kommt zu den gleichen Ergebnissen?

Was oft vergessen wird zu nennen:

  • Durchsuchte Datenbanken,
  • verwendete Stichwörter,
  • Eingrenzungen (in der Zeit, in der Anzahl der durchsuchten Quellen),
  • Auswahl von relevanter Literatur und
  • Anzahl gefundener Quellen.

Hinweis: Die Auswahl von relevanter Literatur findet mithilfe einer Methode statt nicht durch „weil ich diese für relevant hielt“ oder „mein Betreuer mir diese genannt hat“. Eine Auswahl anhand von ich Kriterien ist nicht von allgemeiner Bedeutung. Besser sind Aussagen wie „zur Schaffung eines Domänenverständnisses“ oder „für einen explorativen Überblick“.

Vorgehensweisen

Zum Vorgehen einer Literaturrecherche ist die Literatur nicht eindeutig. Eine Literatursuche ist somit immer an den Kontext anzupassen. Eine, der für den Kontext der Wirtschaftsinformatik bedeutendsten sind die von Webster und Watson (2002), Fettke (2006) und vom Brocke et al. (2009).

Vom Borcke et al. (2009) schlagen fünf aufeinander aufbauende Schritte vor:

  1. Definition des Suchraumes,
  2. Konzeptualisierung des Themas,
  3. Literatursuche,
  4. Literaturanalyse und -synthese sowie
  5. Forschungsagenda

Der Aufbau ist systematisch und präzise gestaltet, sodass die Suche nachvollzogen werden kann. Für ein verständlicheres Bild bietet es sich an einzelne Schritte nach bereits bekannten Methoden durchzuführen. So schlagen vom Brocke et al. (2009) vor die Konzeptionalisierung beispielsweise mit der Taxonomie von Cooper (1988) durchzuführen. Cooper (1988) unterteilt die Suche in sechs näher zu beschreibende Ausprägungen:

  1. Fokus,
  2. Ziel,
  3. Perspektive,
  4. Umfang,
  5. Aufbau und
  6. Zielgruppe.

Die Ausprägungen werden in Kategorien unterteilt. Der Forscher entscheidet, welche Kategorien in der Arbeit eingehender untersucht werden. Die Aufteilung nach Cooper (1988) ist in Tabelle 1 dargestellt.

Ausprägung

Kategorie

(1)

Fokus

Forschungsergebnisse

Forschungsmethoden

Theorien

Praxis/Anwendungen

(2)

Ziel

integrierend

kritisierend

identifizieren von zentralen Herausforderungen

(3)

Perspektive

neutrale Repräsentation

positionsbeziehend

(4)

Umfang

voll umfassend

umfassend mit ausgewählter Zitierung

repräsentativ

zentral/entscheidend

(5)

Aufbau

historisch

konzeptuell

methodologisch

(6)

Zielgruppe

spezielle Wissenschaftler

Allgemeine Wissenschaftler

Praktiker/Entscheidungsträger

Allgemeinheit

Tabelle 1: Taxonomie nach Cooper (1988)

Die Schritte iii und iv können in Anlehnung an Webster und Watson (2002) erfolgen oder nach Fettke (2006).

Der Schritt v gibt die in der Literatur gefundenen Forschungslücken wieder. Eine Forschungslücke ist ein neues zu erreichendes Erkenntnisinteresse, das bisher nicht erklärt wurde. Es bietet sich an nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten in den Texten zu suchen. So weisen Unterschiede auf eine Forschungslücke hin, wie die Praxis nutzt visuelles Feedback während in der Forschung akustisches Feedback als signifikant besser identifiziert wurde. Somit stellt sich die Frage: Warum nutzt die Praxis kein akustisches Feedback?

Es empfiehlt sich die folgende Kernliteratur genauer zu studieren.

Kernliteratur:

  • Webster, J.; Watson, R.T. (2002): Analyzing the Past to Prepare for the Future: Writing a Literature Review. In: MIS Quarterly, Vol. 26 (2002) No. 2, pp. xiii-xxiii.
  • Cooper, H.M. (1988): Organizing Knowledge Syntheses: A Taxonomy of Literature Reviews. In: Knowledge in Society, Vol. 1 (1988) No. 1, pp. 104-126.
  • Brocke, J.; Simons, A.; Niehaves, B.; Riemer, K.; Plattfaut, R.; Cleven, A. (2009): Reconstructing the Giant: On the Importance of Rigour in Documenting the Literature Search Process. In: Proceedings of the 17th European Conference on Information Systems. Eds.  2009, pp. 2206–2217.
  • Fettke, P. (2006): State-of-the-Art des State-of-the-Art. In: Wirtschaftsinformatik, Vol. 48 (2006) No. 4, pp. 257-266.

Weiterführende Literatur

  • Torraco, R.J. (2005): Writing Integrative Literature Reviews: Guidelines and Examples. In: Human Resource Development Review, Vol. 4 (2005) No. 3, pp. 356-367.
  • Okoli, C.; Schabram, K. (2010): A Guide to Conducting a Systematic Literature Review of Information Systems Research. In: Sprouts - Working Papers on Information Systems, Vol. 10 (2010) No. 26.
  • Onwuegbuzie, A.J.; Leech, N.L.; Collins, K.M. (2012): Qualitative Analysis Techniques for the Review of the Literature. In: Qualitative Report, Vol. 17 (2012), pp. 56.
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