Allgemeines

Zur Durchführung einer Grounded Theory-Analyse wird eine Codierung verwendet, die so lange angewandt wird, bis keine neuen Erkenntnisse mehr hinzukommen.

Ziel

Mittels verschiedener empirischer Daten, die mit Methoden wie Codierung, Interviews oder Beobachtungen erhoben worden sind, eine neue Theorie zu entwickeln.

Dabei wird ein Kreislauf aus Datensammlung und Auswertung, solange durchlaufen, bis die Auswertungen keine neuen Erkenntnisse mehr liefern. Daraus resultiert ein theoretisches Modell.

Durchführung

Die Durchführung verläuft zirkulär anhand der folgenden Schritte, die mehrfach durchlaufen werden:

  • Theoretisches Sampling: die Erhebung neuer Daten, die durch die Resultate des vorherigen Entwicklungsprozesses angestoßen werden
  • Analyse: die Analyse von vorliegendem Datenmaterial und der Prozess des theoretischen Kodierens,
  • Entwicklung: die systematische Entwicklung von Theoriebausteinen wie Konzepten, Kategorien und daraus konstruierten Theorien sowie der Reflexionsprozess des Verfahrens.

Zentral dabei ist das Stellen von generativen Fragen, wie: Wer? Wann? Wo? Was? Wie? Wieviel? Warum? Weiterhin werden Zusammenhänge zwischen den Kategorien identifiziert, Vergleiche von Phänomenen betrachtet, eine Integration der Kategorien zu einer Theorie angestrebt.

Dabei unterstützt das Anfertigen von Memos im Laufe des Prozesses bei der Bildung einer Theorie. Es ermöglicht die Verschriftlichung und Ordnung der eigenen Ideen, Assoziationen, Hypothesen zur Theorie sowie der Planungsschritte im Kontext von Auswertungen.

Doch was bedeutet das nun konkret. Nach einer empirischen Erhebung wie Literatursuche oder Interviews werden die Quellen in drei Schritten kodiert.

Offene Kodierung

Beispielsweise haben wir zehn Quellen in unserer Literatursuche zu Digitalisierung gefunden. Nach einem vorher festgelegten Fragenschema werden die Quellen als erstes offen kodiert. Dies geht am einfachsten mit einer Tabelle.

 

Nummer Author Jahr Textabschnitt Fragen Codierung
1 A 2020 "Heute ist die Digitalisierung der Träger der Gesellschaft, der Grad der Durchdringung in Deutschland ist in der öffentlichen Verwaltung gering."

Was: Digitalisierung

Wer: öffentliche Verwaltung

Wieviel: geringer Durchdringungsgrad 

Wann: heute

Womit: ?

Warum: ?

Wo: Deutschland?

...

Digitalisierung

öffentliche Verwaltung

geringer Durchdringungsgrad

2020

Deutschland

 

Axiale Kodierung

Anschließend folgt eine axiale Kodierung. Ziel des axialen Kodierens ist es, erste Beziehungen zwischen Konzepten herzustellen. Dabei werden die Konzepte folgendermaßen verknüpft: Im Zentrum steht das Phänomen, bzw. das Forschungsanliegen. Das Phänomen ist aus einer ursächlichen Bedingung entstanden und Teil eines Kontextes. Das Phänomen verursacht Handlungen und interaktionalen Strategien, welche Konsequenzen auslösen. Aus den Beziehungen werden Achsenkategorien abgeleitet.

Selektive Kodierung

Im letzten Schritt wird selektiv kodiert. Dabei werden die Achsenkategorien so verknüpft, dass eine Kernkategorie entsteht. Die Verknüpfung wird durch selektives Kodieren vorgenommen. Es gibt zwei Optionen bezüglich der Definition einer Kernkategorie:

  • Entweder hat eine Achsenkategorie bereits viele Beziehungen zu anderen Kategorien. Damit eignet sie sich automatisch als Kernkategorie.
  • Andernfalls kann man sich das Netzwerk als Geschichte vorstellen und den Mittelpunkt der Geschichte identifizieren.

 


Kernliteratur

  • [1] Glaser, Barney G., & Strauss Anselm, L. (1967). The discovery of grounded theory: strategies for qualitative research. New York, Adline de Gruyter.
  • [2] Glaser, Barney G., Strauss, A. L., & Strutzel, E. (1968). The discovery of grounded theory; strategies for qualitative research. Nursing research17(4), 364.

 

 

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