Eine studentische Arbeit wissenschaftlich zu schreiben, fällt insbesondere bei der ersten Arbeit nicht leicht. Es gibt viel Literatur zu dem Thema „Wissenschaftliches Schreiben“. Letztendlich geht es um den Aufbau und die Belege, welche zu dem Erkenntnisgewinn führen. An dieser Stelle folgen nicht nur ein paar nützliche Tipps und unterstützende Literaturhinweise, sondern auch der Verweis zu einem Framework, das der Autorin bzw. dem Autor ein zielorientiertes Schreiben ermöglicht.
Was bedeutet wissenschaftliches Schreiben?
Unter wissenschaftlichem Schreiben wird die systematische, nachvollziehbare und überprüfbare Darstellung eines Forschungsprozesses verstanden. Im Mittelpunkt stehen eine klare Argumentation, der begründete Umgang mit vorhandener Literatur und eine transparente Beschreibung der verwendeten Methoden. Ziel ist es, den eigenen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion so darzulegen, dass andere Forschende ihn nachvollziehen, einordnen und weiterentwickeln können [1].
Spätestens beim Anfertigen der Masterarbeit heißt es selbstständiges Bearbeiten. Eine immer gleiche Vorgehensweise gibt es nicht und ist in den Disziplinen unterschiedlich. Es gibt ein paar grundlegende Regeln zu befolgen.
Aufbau
Der folgende Aufbau orientiert sich an einer typischen empirischen Abschlussarbeit und kann je nach Projekt leicht angepasst werden:
- Stand der Forschung: Darstellung zentraler Begriffe, Theorien und bisheriger Ergebnisse.
- Fragen an die Forschung: Herleitung der Forschungsfrage(n) aus der Literatur (siehe auch Forschungsfrage und Forschungslücke in der Wirtschaftsinformatik).
- Aufstellen von Hypothesen (falls sinnvoll): Ableitung prüfbarer Annahmen.
- Methodisches vorgehen: Beschreibung der Methode (z. B. Survey, Fallstudie, Design Science) und der Datenerhebung.
- Analyse: Aufbereitung und Auswertung der Daten.
- Ergebnisse: Strukturierte Darstellung der wichtigsten Befunde.
- Diskussion der Ergebnisse: Einordnung in den Forschungsstand, kritische Reflexion und Ableitung von Implikationen.
Wichtig ist, dass sich durch alle Kapitel ein roter Faden zieht: Von der Problemstellung über die theoretische Einbettung und Methode bis hin zu Ergebnissen und Fazit wird konsequent auf die Beantwortung der Forschungsfrage hingearbeitet.
Sprachlicher Stil und Form
Neben dem inhaltlichen Aufbau ist der sprachliche Stil ein zentrales Element wissenschaftlicher Qualität. Für Arbeiten in der Wirtschaftsinformatik gilt:
- Eine sachliche, präzise Sprache ist zu bevorzugen; lange Schachtelsätze sollten vermieden werden.
- Die verwendeten Begriffe sind möglichst konsistent zu definieren und im Text einheitlich zu nutzen.
- Aussagen sind durch Quellen zu belegen; Zitate und Paraphrasen müssen korrekt gekennzeichnet werden.
- Die Formatierung (Überschriften, Tabellen, Abbildungen, Verzeichnisse) richtet sich nach den Vorgaben des Lehrstuhls und sollte im gesamten Dokument einheitlich sein.
Sprachliche Sorgfalt und formale Konsistenz unterstützen die Lesbarkeit und tragen dazu bei, dass der inhaltliche Beitrag besser sichtbar wird. [1]
Reflexions- und Orientierungsrahmen
Die auf dieser Seite verlinkten Fragen und das vorgestellte Framework sollen Ihnen helfen, Ihre Arbeit strukturiert zu planen und zu überprüfen. Sie können den Fragenkatalog beispielsweise nutzen, um:
- ein Exposé systematisch zu überprüfen,
- den roten Faden zwischen Forschungsfrage, Theorie und Methode zu schärfen,
- und vor der Abgabe gezielt zu kontrollieren, ob die Kernanforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit erfüllt sind.
Vertiefung: Forschungsfrage und Forschungslücke
Ein zentraler Bestandteil jeder wissenschaftlichen Arbeit sind gut begründete Forschungsfragen und eine klar formulierte Forschungslücke (Research Gap). Während der Aufbau der Arbeit einen Rahmen vorgibt, entscheidet sich an der Forschungsfrage, was tatsächlich untersucht werden soll – und an der Forschungslücke, warum sich diese Untersuchung lohnt.
Viele Studierende starten mit einem Thema („Digitalisierung in …“, „Einsatz von KI‑Werkzeugen im Studium“) und stellen dann fest, dass noch unklar ist, welche konkrete Frage sie bearbeiten und wie diese mit dem bestehenden Forschungsstand zusammenhängt. Genau hier hilft eine saubere Trennung von Thema, Forschungsproblem, Forschungsfrage, Zielsetzung und Forschungslücke.
Auf einer eigenen Seite unter Forschungsmethoden habe ich diesen Prozess ausführlich beschrieben und mit typischen Methodensettings der Wirtschaftsinformatik verknüpft (Survey, Fallstudie, Experiment, Design Science, Mixed-Method). Dort findet sich:
- eine Einordnung von Thema, Forschungsproblem, Forschungsfrage und Zielsetzung,
- eine Einführung in verschiedene Typen von Forschungslücken,
- ein mögliches Vorgehen „vom Thema zur Forschungsfrage“,
- Formulierungshilfen für die Forschungslücke und Forschungsfrage (deutsch/englisch),
- Beispiele für Forschungsfragen in typischen Methodenansätzen der Wirtschaftsinformatik.
Die Vertiefung zu Forschungsfrage und -lücke findet sich hier: Forschungsfrage und Forschungslücke in der Wirtschaftsinformatik.
Struktur und Belege
Die Arbeit besitzt einen klaren roten Faden mit einer stringenten Argumentation, welche Belege entsprechend untermauern.
Besonders bei allgemeinen Aussagen gebietet es vorsichtig zu sein, da diese valide sein müssen. Wörter wie viele, meistens, häufig, wenig, oft gilt es zu vermeiden und sollten eher als Zusammenfassung dienen. Beispiel: Anstelle von „viele“ ist „8 von 10“ eine Aussage mit höherer Wertigkeit und Aussagekraft. Nachdem dem Treffen dieser Aussage kann in einem Fazit – wenn nicht anders möglich – „viele“ wieder verwendet werden. Allerdings bitte immer mit bedacht. Doch was ist eine optimale Struktur und wie bekommt man die notwendige Klarheit in den Text, um auch erfolgreich zu veröffentlichen?
Optimale Struktur und Klarheit für erfolgreiche Veröffentlichungen
Wir wissen, dass Beiträge aufgrund mangelnder Struktur und Klarheit oft verloren gehen. Oft fehlt es an Zeit, den richtigen Rahmen zu setzen, die Community oder ökonomisch betrachtet den Markt zu verstehen oder eine realisierbare Struktur zu kennen. In diesem Zusammenhang haben meine Kollegen und ich einen Artikel (Publish or Perish: A Scientific Blueprint for a Journal Article) als eine Rahmenempfehlung für die Strukturierung von wissenschaftlichen Beiträgen geschrieben, um ihnen als Autoren eine wissenschaftliche Blaupause für die meisten Einreichungen insbesondere im International Journal of Engineering Pedagogy (iJEP) zur Verfügung zu stellen.
Unsere langjährige Expertise und Erfahrung in der Praxis haben es uns ermöglicht, wertvolle Einblicke in die Erstellung von Beiträgen zu gewinnen. Wir beleuchten typische Fehler und präsentieren Erkenntnisse, um diese zu vermeiden. Darüber hinaus werfen wir einen Blick auf die spezifischen Teile eines Artikels, um die Erwartungen der Herausgeber zu verdeutlichen. Zusätzlich stellen wir einen leichtgewichtigen Ansatz vor, mit dem Autoren sich schnell in das Schreiben vertiefen können.
Unser vorgeschlagener Rahmen hilft ihnen Autoren dabei, ihre Gedanken zu ordnen, die Struktur des Beitrags publikationsfähig zu gestalten und die Markteinführungszeit zu verkürzen. Diese bewährte Blaupause kann von ihnen als Autoren genutzt werden, um ihre Schreibprozesse zu optimieren und so ihre Beiträge erfolgreicher zu machen. Wir sind überzeugt, dass dieser Ansatz Sie als Autoren dabei unterstützt, ihren Beitrag optimal vorzubereiten und den Weg zur Veröffentlichung zu ebnen.
Wie ein Abstract und Einleitung konkret aufgebaut werden, ist für die Wirkung der Arbeit entscheidend. Eine ausführliche Schritt‑für‑Schritt‑Anleitung mit Formulierungsbeispielen findet sich hier: Abstract & Einleitung in der Wirtschaftsinformatik.
Literaturhinweise
Zwei Bücher fand ich persönlich sehr hilfreich:
- Esselborn-Krumbiegel, H. (2022): Richtig wissenschaftlich schreiben: Wissenschaftssprache in Regeln und Übungen, 7. Aufl., UTB GmbH, Paderborn
und
- Müller, E. (2013): Schreiben in Naturwissenschaften und Medizin, UTB GmbH, Paderborn.
Weitere Bücher zu wissenschaftlichem Schreiben
Kernliteratur
- Gottlieb, M; Utesch, M (2022): Publish or Perish: A Scientific Blueprint for a Journal Article, International Journal of Engineering Pedagogy (iJEP), 12(3), pp. 171–177, doi: https://doi.org/10.3991/ijep.v12i3.28253.
Weitere Literatur
- [1] Heenes, W., Elsner, I., Reuter A. (2010): Wissenschaftliches Schreiben in der Informatik, TU Darmstadt, https://www.owl.tu-darmstadt.de/media/owl/responsive_design/owl_anleitungen_pdf/0036_WissSchreiben_in_der_Informatik_2020-06.pdf, zugegriffen am 02.03.2026
- Esselborn-Krumbiegel, H. (2022): Richtig wissenschaftlich schreiben: Wissenschaftssprache in Regeln und Übungen, 7th ed., UTB GmbH, Paderborn
- Müller, E. (2013): Schreiben in Naturwissenschaften und Medizin, UTB GmbH, Paderborn.