Allgemeines
Die Codierung gehört zur qualitativen Inhaltsanalyse. Bei dieser werden vorab Regeln formuliert (Ablaufmodelle, Analyseeinheiten, inhaltsanalytische Regeln), nach denen die Textanalyse erfolgt. Die Regeln werden während der Analyse überarbeitet, bleiben aber für den letztendlichen Materialdurchgang konstant. Die Textanalyse wird mithilfe von Kategorien durchgeführt. Die Kategorien stellen die Auswertungsaspekte dar und haben Ähnlichkeit mit den Codes in der Grounded-Theory-Methodologie (siehe auch Grounded Theory), diese müssen jedoch in der Inhaltsanalyse genau definiert werden. In der qualitativen Inhaltsanalyse kann das Datenmaterial induktiv, deduktiv oder induktiv-deduktiv ausgewertet werden. Induktiv meint dabei, dass die verwendeten Kategorien aus dem Material heraus entstehen. Wohingegen die Kategorien beim deduktiven Kodieren aus einer oder mehreren Theorien abgeleitet sind. Bei der Mischform des induktiv-deduktiven Kodierens werden beide Formen von Kategorien verwendet. [1]
Ziel
Ziel dieser Methode ist es, Textmaterial inhaltlich qualitativ zu analysieren, um Schlussfolgerungen und Erkenntnisse daraus zu erhalten. [1] Durch die Anwendung einer systematischen und methodischen Vorgehensweise wird die Objektivität und Nachvollziehbarkeit der Analyse gewährleistet, was in der wissenschaftlichen Forschung von zentraler Bedeutung ist.
Durchführung
Die Durchführung der Codierung umfasst in der Regel mehrere Schritte. Zunächst wird das Datenmaterial aufbereitet (Transkription, Bereinigung, Anonymisierung), um eine gute Grundlage für die Analyse zu schaffen. Anschließend erfolgt die Entwicklung bzw. Auswahl des Kategoriensystems – je nach Forschungsdesign induktiv, deduktiv oder kombiniert. Auf dieser Basis werden die relevanten Textstellen markiert und den entsprechenden Kategorien zugeordnet (Codierung). In einem iterativen Prozess kann es notwendig werden, Kategorien zu präzisieren, zu erweitern, zusammenzufassen oder neu zu strukturieren. Am Ende steht eine überarbeitete und konsistente Fassung des Codesystems, die die wesentlichen Gehalte des Materials angemessen abbildet.
Im Anschluss an diesen allgemeinen Ablauf können – wie auf dieser Seite dargestellt – Beispiele für induktive Kategorien (etwa im Kontext eines Digitalisierungsprojekts) sowie deduktive Kategorien (z. B. im Rahmen einer Drogenpräventionsstudie) ausgeführt werden. Die dort präsentierten Tabellen und Beispielsformulierungen illustrieren, wie Kategorien definiert, mit Ankerbeispielen hinterlegt und in der praktischen Codierung angewendet werden können. Ergänzend kann der Codierprozess durch softwaregestützte Codierung unterstützt werden. Programme für qualitative Datenanalyse (z. B. MAXQDA, ATLAS.ti oder vergleichbare Lösungen) ermöglichen das Anlegen eines hierarchischen Codesystems, das Markieren und Kommentieren von Textstellen, das Setzen von Memos sowie die Auswertung nach Codes, Dokumenten oder Dokumentgruppen. Die Software ersetzt dabei nicht die theoretische und methodische Reflexion, unterstützt aber die systematische und effiziente Organisation größerer Datenmengen und erleichtert die Dokumentation des gesamten Codierprozesses. Stehen diese Softwaretools nicht zur Verfügung kann auch mittels eines Tabellenprogramms gearbeitet werden wie Excel, Calc oder vergleichbarer Lösungen.
Abbildung 1 stellt den Ablauf einer qualitativen Inhaltsanalyse dar. [1]

Tabelle 1 stellt beispielhaft induktive Kategorien aus einem Digitalisierungsprojekt dar.
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Hauptkategorie |
Kategorie |
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Verbesserung der Infrastruktur und allgemeine Arbeitsverbesserungen (Projektverbesserungen) |
Verbesserung der Basisinfrastruktur |
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Verbesserung der Infrastruktur und allgemeine Arbeitsverbesserungen (Projektverbesserungen) |
Verbesserung der Hardware-Ausstattung für spezifische Anforderungen |
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Verbesserung des Produktes (Produktverbesserungen) |
Verbesserung des Produktes allgemein |
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Verbesserung des Produktes (Produktverbesserungen) |
Verbesserung des Produktes durch Testung |
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Prozessoptimierungen |
Verbesserung der Forschungstagebücher |
Tabelle 2 stellt beispielhaft deduktive Kategorien aus einer Drogenpräventionsstudie dar. [1]
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Kategorienname |
Kodierregeln |
Ankerbeispiele |
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Probierkonsum |
Die Droge wird fallweise konsumiert, es liegt keine Abhängigkeitsproblematik vor. |
„Der X war ein typischer Probierer, der hat vielleicht drei oder vier Mal was mit seinen Freunden geraucht.“ |
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Regelmäßiger Drogenkonsum |
Die Droge wird regelmäßig, mehrmals wöchentlich oder sogar täglich konsumiert. |
„Die A war eine leidenschaftliche Kifferin, die hat schon öfters mal was geraucht, mehrmals in der Woche.“ |
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Schwere körperliche Abhängigkeit/harte Drogen |
Es liegt eindeutig eine Abhängigkeitsproblematik vor (diagnostische Richtlinien). |
„Beim Z lag eindeutig ein Mischkonsum vor, der hat auch Härteres genommen und war auch schon körperlich drauf.“ |
Kernliteratur
- [1] Mayring, P. (2010). Qualitative Inhaltsanalyse. In Handbuch qualitative Forschung in der Psychologie (pp. 601-613). VS Verlag für Sozialwissenschaften.
- [2] Elg, M., Birch-Jensen, A., Gremyr, I., Martin, J., & Melin, U. (2020). Digitalisation and quality management: problems and prospects. Production Planning & Control, 1-14.