Allgemeines
Die formal-deduktive Analyse ist ein logisch-analytisches Verfahren, bei dem aus formal beschriebenen Modellen (z. B. mathematischen oder logisch-symbolischen Modellen) spezifische Aussagen oder Einzelerkenntnisse abgeleitet werden. Im Zentrum steht die Anwendung formaler Regeln der Logik auf eindeutig definierte Prämissen, sodass Schlussfolgerungen unabhängig von individuellen Interpretationen nachvollziehbar und widerspruchsfrei sind [1].
Ziel
Ziel der formal-deduktiven Analyse ist es, aus einem gegebenen formalen Modell logisch zwingende Schlussfolgerungen für konkrete Problemstellungen oder Fragestellungen abzuleiten. Auf diese Weise lassen sich etwa Eigenschaften von Modellen prüfen, Hypothesen über Systemverhalten herleiten oder die Konsequenzen bestimmter Annahmen systematisch untersuchen [1].
Durchführung
Ausgangspunkt ist ein formal spezifiziertes Modell, das die relevanten Elemente, Relationen und Randbedingungen eines Untersuchungsgegenstands in einer formalen Sprache beschreibt (z. B. mit Gleichungen, Logikformeln oder anderen formal definierten Symbolsystemen). Auf Basis dieses Modells werden mithilfe etablierter logischer Schlussregeln neue Aussagen abgeleitet, die sich auf konkrete Fragestellungen beziehen und im Hinblick auf die zugrunde liegende Problemstellung interpretiert werden. Dadurch können etwa Konsistenz, Vollständigkeit oder bestimmte Implikationen des Modells analysiert und für den jeweiligen Forschungs- oder Anwendungskontext nutzbar gemacht werden [1].
Beispiel
Ein einfaches Beispiel ist ein formal beschriebenes Berechtigungssystem für ein Informationssystem, in dem als Prämissen festgelegt ist, dass „nur Benutzer mit Rolle Administrator Datensätze löschen dürfen“ und dass „Benutzer A die Rolle Administrator besitzt“. Aus diesen formalen Prämissen lässt sich deduktiv die konkrete Aussage ableiten, dass Benutzer A im System Datensätze löschen darf. Werden weitere Regeln ergänzt (z. B. Einschränkungen auf bestimmte Datenbereiche), können mit demselben formalen Modell systematisch weitere, logisch konsistente Aussagen über das Berechtigungsverhalten hergeleitet werden [1].
Kernliteratur
- [1] Wilde, T., & Hess, T. (2006). Methodenspektrum der Wirtschaftsinformatik: Überblick und Portfoliobildung (Arbeitsbericht Nr. 2/2006). Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien, Ludwig-Maximilians-Universität München.