Die Durchführung von Forschung und die Erstellung von wissenschaftlichen Beiträgen sind bedeutende Meilensteine in der akademischen Welt. Doch die Veröffentlichung dieser Forschung in den richtigen wissenschaftlichen Zeitschriften oder Konferenzen ist genauso wichtig wie die Forschungsarbeit selbst. In diesem Artikel werden wir uns mit den 10 entscheidenden Schritten befassen, die dir helfen werden, das optimale Outlet für deinen Forschungsbeitrag zu finden.

Was ist ein „Publikationsoutlet“? 

Unter einem Publikationsoutlet verstehen wir wissenschaftliche Journale, Konferenzen (inkl. Proceedings), Workshops, Special Issues sowie in einigen Disziplinen auch Preprint-Server. Diese Outlets unterscheiden sich hinsichtlich Zielgruppe, Qualitätsstandards, Sichtbarkeit und typischer Beitragstypen. Für Wirtschaftsinformatik und Information Systems spielen insbesondere Journale und Konferenzen eine zentrale Rolle, während Workshops und Preprints häufig als Zwischenschritte zur Entwicklung und Diskussion von Forschungsarbeiten dienen.

Überblick: Auswahl des Outlets als Prozess

Die Wahl eines geeigneten Publikationsoutlets ist kein einmaliger Entschluss, sondern ein iterativer Prozess. Typischerweise durchläufst du die Phasen Zielgruppe klären, thematisch passende Outlets identifizieren, Qualitäts- und Rahmenbedingungen prüfen und anschließend eine begründete Entscheidung treffen. Die folgenden 10 Schritte strukturieren diesen Prozess und können als Checkliste für deine eigene Publikationsstrategie dienen.

Schritt 1: Zielgruppe identifizieren

Bevor du nach einem Veröffentlichungsmedium suchst, solltest du deine Zielgruppe klar definieren. Wer sind die Experten oder Wissenschaftler, die sich für deine Forschung interessieren könnten? Eine klare Zielgruppenanalyse wird dir helfen, die richtige Plattform zu finden, um deine Ergebnisse zu präsentieren.

Mit der Zielgruppe verknüpft ist die grundlegende Frage nach dem Outlet-Typ: Für manche Beiträge eignet sich eher ein Journal (z. B. bei theoretischen oder umfangreichen empirischen Arbeiten), für andere eher eine Konferenz oder ein Workshop (z. B. bei frühen Ergebnissen oder zur Community‑Diskussion). Überlege dir früh, ob du primär die Wirtschaftsinformatik-/Information-Systems-Community adressieren möchtest oder eher eine Nachbardisziplin (z. B. Informatik, Betriebswirtschaftslehre, Sozialwissenschaften).

Schritt 2: Literaturrecherche

Eine gründliche Literaturrecherche ist entscheidend, um herauszufinden, wo thematisch ähnliche Arbeiten veröffentlicht wurden. Notiere dir bei der Recherche häufig genannte Journale, Konferenzen und Special Issues, denn diese Outlets haben bereits Beiträge zu deinem Thema akzeptiert und sind daher oft besonders geeignet. Nutze dabei Datenbanken und Digitale Bibliotheken deiner Community (z. B. AIS eLibrary, IEEE Xplore, ACM Digital Library, fachspezifische Verlage), um ein erstes Outlet-Portfolio zu erstellen.

Schritt 3: Impact Factor berücksichtigen

Der Impact Factor einer Zeitschrift ist ein oft genutzter, aber nicht allein ausreichender Indikator für ihre Sichtbarkeit in der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Berücksichtige ihn als einen Faktor unter mehreren, etwa neben thematischer Passung, Zielgruppe, Reputationswahrnehmung in deiner Community und typischen Annahmequoten. Gerade in der Wirtschaftsinformatik/Information Systems spielen zusätzlich Community‑Rankings, Indexierungen und Konferenzratings eine wichtige Rolle, die du ebenfalls in deine Entscheidung einbeziehen solltest.

Weitere Informationen finden sich im Beitrag zum Ranking und Impakt in der Wirtschaftsinformatik.

Schritt 4: Einreichungsrichtlinien studieren

Jede Zeitschrift oder Konferenz hat spezifische Einreichungsrichtlinien zu Umfang, Struktur, Format und Beitragstypen (z. B. Full Paper, Research-in-Progress, Praxisbeiträge). Stelle sicher, dass du diese Vorgaben sorgfältig liest und dein Manuskript frühzeitig darauf ausrichtest, um unnötige desk rejects aufgrund formaler Abweichungen zu vermeiden. Prüfe insbesondere, ob dein geplanter Beitragstyp und deine Methodik explizit adressiert oder ausgeschlossen werden.

Schritt 5: Peer-Review-Prozess verstehen

Verstehe den Peer-Review-Prozess des ausgewählten Outlets möglichst genau. Informiere dich darüber, ob das Review single-blind, double-blind oder offen erfolgt, ob es häufig zu „desk rejects“ ohne ausführliches Review kommt und wie viele Überarbeitungsrunden typischerweise durchlaufen werden. Diese Informationen helfen dir, Erwartungen zu managen, realistische Zeitpläne zu erstellen und die Qualität der Rückmeldungen besser einzuordnen.

Schritt 6: Kosten und Gebühren prüfen

Ein weiterer wichtiger Faktor sind die mit der Veröffentlichung verbundenen Kosten und Gebühren. Unterscheide dabei zwischen Article Processing Charges (APCs) im Open‑Access‑Bereich, möglichen Page Charges oder farbigen Abbildungen sowie etwaigen Submission Fees. Prüfe frühzeitig, ob deine Einrichtung Publikationsfonds oder Transformationsverträge (z. B. mit bestimmten Verlagen) hat, über die Gebühren ganz oder teilweise abgedeckt werden können.

Schritt 7: Reputation des Verlags/Konferenzveranstalters

Die Reputation des Verlags oder der Konferenzveranstalter spielt eine bedeutende Rolle für die Wahrnehmung deiner Arbeit. Achte darauf, ob das Outlet in deiner Community als seriös und etabliert gilt, ob es in relevanten Datenbanken indexiert ist und ob die Herausgeberschaft sowie Programmkomitee fachlich bekannt sind. Sei zugleich aufmerksam gegenüber möglichen predatory journals oder Konferenzen, die durch aggressive Werbemails, extrem kurze Review‑Zeiten oder unklare Gebührenstrukturen auffallen.

Schritt 8: Open Access vs. traditionelle Veröffentlichung

Entscheide, ob du deine Forschung Open Access oder über ein traditionelles Subskriptionsmodell veröffentlichen möchtest. Open Access kann die Zugänglichkeit und Zitierhäufigkeit erhöhen, ist aber häufig mit APCs verbunden, während traditionelle Modelle über die Bibliotheken lizenziert werden und für die Leserschaft teils eingeschränkt zugänglich sind. Prüfe, ob das Outlet hybride Modelle anbietet und ob deine Einrichtung bestimmte Open‑Access‑Vorgaben oder Fördermöglichkeiten hat. Alle Ansätze haben Vor- und Nachteile, die du abwägen solltest.

Schritt 9: Zeitplan erstellen

Erstelle einen realistischen Zeitplan für den gesamten Publikationsprozess – von der ersten Manuskriptversion über Einreichung und Review bis zur Veröffentlichung. Konferenzen haben meist fixe "Deadlines" und schnellere Entscheidungszyklen, während Journale längere, mehrstufige Review‑Prozesse mit mehreren Überarbeitungsrunden aufweisen können. Ein möglicher Workflow ist: Shortlist von Outlets erstellen → Passung (Scope, Zielgruppe, Beitragstyp) prüfen → formale Anforderungen prüfen → Risiken (z. B. sehr lange Review‑Zeiten) abwägen → Entscheidung treffen.

Schritt 10: Alternative Veröffentlichungsmöglichkeiten in Betracht ziehen

Wenn deine Arbeit in den ersten Versuchen nicht akzeptiert wird, verzweifle nicht. Es gibt viele alternative Veröffentlichungsmöglichkeiten, darunter Preprint-Server und kleinere Konferenzen, die deine Forschung dennoch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen können.

Insgesamt ist die Wahl des optimalen Outlets für deinen Forschungsbeitrag ein entscheidender Schritt in deiner wissenschaftlichen Karriere. Durch die sorgfältige Planung und Berücksichtigung dieser 10 Schritte kannst du sicherstellen, dass deine Arbeit die Aufmerksamkeit erhält, die sie verdient. Denke daran, dass dieser Prozess Zeit und Engagement erfordert, aber die richtige Veröffentlichung wird sich langfristig auszahlen, indem sie deine Forschung in der wissenschaftlichen Gemeinschaft bekannt macht.

Abstimmung mit Betreuern und Co-Autorschaft 

Die Auswahl eines Publikationsoutlets solltest du nicht isoliert treffen. Sprich frühzeitig mit der Betreuerin oder Betreuer sowie der Co-Autorenschaft über mögliche Outlets, deren Vor‑ und Nachteile sowie deren Passung zu deiner Karriereplanung (z. B. Promotionsanforderungen, Tenure‑Track, Profilbildung). Eine gemeinsame, gut begründete Entscheidung reduziert spätere Konflikte und sorgt dafür, dass alle Beteiligten denselben Publikationspfad unterstützen.

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