Stil und Sprache sind für die Qualität wissenschaftlicher Arbeiten von zentraler Bedeutung. Sie entscheiden maßgeblich darüber, ob Argumentationen klar, präzise und nachvollziehbar sind oder ob inhaltlich tragfähige Ideen an Wirkung verlieren. Der vorliegende Abschnitt gibt einen Überblick über wesentliche Merkmale wissenschaftlicher Sprache, häufige Fehlerquellen in deutsch‑ und englischsprachigen Texten sowie Ansatzpunkte für eine systematische sprachliche Überarbeitung (vgl. auch Wissenschaftliches Schreiben).
1. Merkmale wissenschaftlicher Sprache
Wissenschaftliche Texte müssen nicht künstlich kompliziert formuliert sein. Im Vordergrund steht ein Stil, der Verständlichkeit mit fachlicher Genauigkeit verbindet. Zentrale Merkmale sind:
- Klarheit: Aussagen werden so formuliert, dass Missverständnisse möglichst vermieden werden.
- Präzision: Fachbegriffe werden konsistent verwendet, Unschärfen und Mehrdeutigkeiten werden reduziert.
- Nachvollziehbarkeit: Gedankengänge sind logisch strukturiert, explizit begründet und anhand der Literatur anschlussfähig.
- Sachlichkeit: Persönliche Wertungen treten zurück, im Fokus stehen belegte Argumente und systematisch entwickelte Schlussfolgerungen.
In der Wirtschaftsinformatik bedeutet dies häufig, komplexe Zusammenhänge zwischen technischen Artefakten, organisatorischen Strukturen und individuellem Verhalten so darzustellen, dass die Beziehungen zwischen Annahmen, Argumenten und Ergebnissen transparent werden. Ein nüchterner, gut strukturierter Text wirkt in der Regel professioneller als ein formal „beeindruckender“, aber schwer verständlicher Stil.
2. Häufige sprachliche Fehler in deutschsprachigen Arbeiten
In deutschsprachigen Abschlussarbeiten treten bestimmte Muster immer wieder auf. Sie sind unabhängig vom jeweiligen Thema, können aber die Verständlichkeit erheblich beeinträchtigen.
Zu lange und verschachtelte Sätze
Sehr lange Sätze mit mehreren Nebensätzen erschweren das Verständnis. Häufig lassen sie sich in zwei oder drei kürzere Einheiten aufteilen, ohne dass dabei inhaltliche Informationen verloren gehen. Eine bewusste Begrenzung der Satzlänge trägt wesentlich zur Lesbarkeit bei.
Unklare Verweise und Pronomen
Formulierungen wie „dieses“, „dieser Aspekt“ oder „jene Problematik“ sind nur dann hilfreich, wenn der Bezug eindeutig ist. Andernfalls entsteht Unklarheit darüber, worauf sich der Verweis genau bezieht. Es ist daher sinnvoll, Verweise sparsam einzusetzen und zentrale Begriffe bei Bedarf noch einmal explizit zu nennen.
Wechselnde Begriffe für dasselbe Konzept
Wenn ein zentrales Konzept im Verlauf des Textes mit verschiedenen Ausdrücken bezeichnet wird (z. B. „IT‑System“, „Anwendung“, „Tool“, „Software“), kann unklar werden, ob stets derselbe Gegenstand gemeint ist. Für wesentliche Konstrukte empfiehlt es sich, ein bis zwei konsequente Bezeichnungen zu wählen und diese über den gesamten Text hinweg zu verwenden.
Umgangssprache und Füllwörter
Umgangssprachliche Ausdrücke (z. B. „irgendwie“, „ziemlich“, „ein bisschen“) und Füllwörter (z. B. „sozusagen“, „gewissermaßen“) tragen selten zur Präzision bei. In wissenschaftlichen Texten können sie in der Regel entfallen oder durch präzisere Formulierungen ersetzt werden.
Übermäßiger Nominalstil
Ein sehr starker Nominalstil („die Durchführung der Analyse der Daten“) führt häufig zu schwerfälligen und schwer lesbaren Formulierungen. In vielen Fällen ist eine Version mit Verben („die Daten wurden analysiert“) klarer und zugleich stilistisch angemessener.
3. Typische Probleme in englischsprachigen Arbeiten
Beim Verfassen englischsprachiger Texte ergeben sich zusätzliche Herausforderungen, insbesondere für Autorinnen und Autoren, die Englisch nicht als Erstsprache verwenden.
Direkte Übersetzungen aus dem Deutschen
Wörtliche Übersetzungen deutscher Formulierungen führen leicht zu ungebräuchlichen oder missverständlichen Sätzen. Statt Wort‑für‑Wort‑Übertragungen ist es zielführender, die Aussage im Sinne der englischen Fachsprache neu zu formulieren.
„False friends“ und unpassende Fachbegriffe
Begriffe, die in beiden Sprachen ähnlich aussehen, können unterschiedliche Bedeutungen haben. Zudem sind einige deutsche Fachausdrücke nicht ohne Weiteres ins Englische übertragbar und erfordern eine beschreibende Umschreibung oder die Verwendung etablierter englischer Terminologie.
Zeitformen
Im akademischen Schreiben auf Englisch wird häufig das Simple Present verwendet, insbesondere bei der Darstellung des Forschungsstands und genereller Aussagen. Für die Beschreibung des eigenen methodischen Vorgehens oder der Ergebnisse kommen ergänzend andere Zeitformen in Betracht. Ein häufiger, nicht begründeter Wechsel zwischen Zeiten irritiert jedoch und sollte vermieden werden.
Satzbau und Lesbarkeit
Auch im Englischen gilt, dass kürzere, klar strukturierte Sätze die Lesbarkeit verbessern. Es ist empfehlenswert, auf eine konsistente Satzstruktur zu achten und nicht zu viele Informationen in einem Satz zu bündeln. Übergänge zwischen Sätzen und Abschnitten sollten so gestaltet werden, dass der argumentative Verlauf unterstützt wird.
4. Satzbau, Übergänge und Kohärenz
Neben der Form einzelner Sätze ist die Verknüpfung von Sätzen und Abschnitten wesentlich für die Kohärenz eines wissenschaftlichen Textes. Ein Text kann grammatikalisch korrekt sein und dennoch schwer zu lesen, wenn Übergänge fehlen oder die Abfolge der Argumente nicht erkennbar ist.
Wichtige Aspekte sind:
- Jeder Absatz sollte eine klar identifizierbare Kernaussage haben.
- Übergangssätze unterstützen den Übergang von einem Gedanken zum nächsten (z. B. „Im Anschluss daran wird…“, „Darauf aufbauend wird…“).
- Logische Verknüpfungen („daher“, „hingegen“, „im Gegensatz dazu“, „folglich“) machen Beziehungen zwischen Aussagen explizit sichtbar.
Eine bewusste Überarbeitung mit Blick auf diese Elemente trägt dazu bei, dass Leserinnen und Leser dem roten Faden folgen können und Argumentationsschritte als plausibel wahrgenommen werden.
5. Zitate, Paraphrasen und der Einsatz von KI‑Werkzeugen
Ein weiterer zentraler Aspekt betrifft den Umgang mit fremden Texten und die Nutzung unterstützender Werkzeuge.
Direkte Zitate
Direkte Zitate sollten sparsam eingesetzt werden, insbesondere dort, wo die Originalformulierung selbst von Bedeutung ist (z. B. bei Definitionen oder theoretischen Kernthesen). Zitate müssen stets eindeutig gekennzeichnet und gemäß der gewählten Zitierweise belegt werden (vgl. ergänzend Wissenschaftliches Schreiben).
Paraphrasen
In vielen Fällen ist es angemessener, Inhalte in eigenen Worten zu paraphrasieren. Dabei bleibt der inhaltliche Kern erhalten, während die Formulierung an den eigenen Text angepasst wird. Auch Paraphrasen erfordern Quellenangaben, da die zugrunde liegenden Ideen auf anderen Arbeiten beruhen.
Einsatz von KI‑Werkzeugen
Sprach‑ und Schreibwerkzeuge können bei Formulierung, Strukturierung oder Korrektur unterstützen. Die inhaltliche Verantwortung verbleibt jedoch bei den Autorinnen und Autoren. Es ist erforderlich, generierte Vorschläge auf fachliche Richtigkeit und Kohärenz zu prüfen und sicherzustellen, dass keine fremden Texte ohne angemessene Kennzeichnung übernommen werden. Vorgaben von Hochschulen oder Forschungsinstitutionen zum Umgang mit solchen Werkzeugen sind verbindlich zu beachten.
6. Checkliste für den sprachlichen Feinschliff
Für den abschließenden Überarbeitungsschritt kann die folgende Checkliste herangezogen werden:
- Sind die Sätze überwiegend klar und nicht unnötig verschachtelt?
- Werden zentrale Begriffe und Konstrukte konsistent verwendet?
- Lassen sich unklare Verweise („dieses“, „jenes“) vermeiden oder eindeutig konkretisieren?
- Sind umgangssprachliche Ausdrücke und Füllwörter weitgehend eliminiert?
- Sind die Übergänge zwischen Absätzen und größeren Abschnitten verständlich und stützen sie den Argumentationsverlauf?
- Sind direkte Zitate klar gekennzeichnet und auf das notwendige Maß beschränkt?
- Sind Paraphrasen mit angemessenen Literaturangaben versehen?
- Wirkt der Text insgesamt sprachlich konsistent (z. B. hinsichtlich Zeitformen und Fachterminologie)?
Werden diese Fragen weitgehend bejaht, ist der sprachliche Zustand des Textes in der Regel gut geeignet für Korrekturlesen, qualifiziertes Feedback und die finale Abgabe (vgl. auch die Hinweise unter Abschlussarbeiten - Gliederung).